Pierre Granoux‘ Rebuslager sind Regalkonfigurationen und Konfigurationsregale. Dabei ist die Lage der Dinge und Sachen in ihnen alles andere als egal. „Egalage“ wäre allenfalls ein Palindrom für jene Assemblagen, in denen nicht die aktuelle Einlage wichtig ist, sondern lediglich die temporäre Ablage. Deshalb ist LAGE EGAL (Atelier; Büro, Ausstellungs- und Projektraum für zeitgenössische Kunst) ein Ort für künstlerische Lagebestimmungen, etwa als Lage3zu20.

Pierre Granoux, MELENCOLIA ODER, 2011

Pierre Granoux, MELENCOLIA ODER, 2011

Genau im Kontext dieses Kunstprojektes „Lage3:20“ hat Pierre Granoux zuletzt eines seiner Rebuslager ausgestellt, im Rahmen der Ausstellung Melencholia und Melanchronia. Hier zeigt sich, wie Lagen sich berühren, sich verschachteln, Räume und Zwischenräume erzeugen, die besondere ästhetischer Erfahrungen möglich machen: Das Kunstwerk im Kunstwerk im Kunstwerk … und die Betrachter sehen sich herausgefordert von der Frage, wo sie die Grenze zwischen Kunst und Nicht-Kunst ziehen wollen. Und schaut man genauer hin, dann löst sich die Grenze nicht selten auf, verwandelt sich in einen Schwellenraum, ein Interface, eine Schnittstelle zwischen Kunstwerken ebenso wie zwischen Kunst und Nicht-Kunst. Dann zeigt sich, dass ein Lage(r)egal eben nicht Egallage aber auch nicht LAGE EGAL ist.

Pierre Granoux vor einem Rebuslager, LAGE(r)EGAL, 2010

Pierre Granoux vor einem Rebuslager, LAGE(r)EGAL, 2010

Pierre Granoux arbeitet seit vielen Jahren an Rebuslagern, in denen er die Versammlung von Gegenständen immer wieder variiert. Es sind Gegenstände, die er auf dem Basar der modernen Kunst ebenso gefunden hat wie in den Allegorien früherer Kunstepochen, etwa der Dürerschen Melencolia I. Die Dinge und ihre Lagen liegen in Regalen wie die Buchstaben und ihre Wörter in den Worten, in einem Kofferwort zum Beispiel, oder in einem Palindrom. Deshalb sind die Regale auch Container. Sie beinhalten Verlagerungen und Lageverschiebungen wie die Worte die Permutationen ihrer Silben oder die Verdrehungen ihrer Buchstaben beinhalten. Und wie ein Regalager ein leeres Regal beinhalten kann, so kann ein Wort eine Leerstelle beinhalten, eine Lücke, eine Auslassung, eben wie lage()egal.

So finden sich in eigentümlichen Lagen Duchamps Flaschentrockner und Dürers betende Hände und seine Melencolia ebenso wie herabgefallene Buchstaben aus deutschen Parteilogos und Emailletafeln Pariser Straßenschilder; befreite Pinsel müssen nicht mehr aus kaltem Glas graue Asche wedeln, bis sie schwarz werden; und Weinflaschen im Regalager oder im Lage(r)egal treten in heitere Konstellationen mit Aphorismen und Palindromen; Objekte, Bilder und Wörter verbinden sich zu Vexierbildern aus Neu und Alt; Rebuslager geben dem Abgelagerten einen Dreh, durch das es einen aktuellen und auch einen leichten Zug bekommt.

Pierre Granoux, Lageregal/Regalager, 2004

Pierre Granoux, Lageregal/Regalager, 2004

Im Fraktalwerk finden sich in Showroom und als Publikationen die Arbeiten der letzten Ausstellung, aber auch Hinweise und Spuren zu den seit 2002 sich immer wieder verändernden Rebuslagen von Pierre Granoux.

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