Koffer, die Ziegelsteine (Laterite) enthalten, aber auch: Flaschen und Flaschenposten, Wörter, Geheimfächer, Bilder unter Glas, Glasschreiben, Tonscherben. Bei genauerer Betrachtung zeigen sich Materialien, die in der Regel als Container oder Teile von Behältern angesehen werden, die am Rande der Aufmerksamkeit liegen, weil sich die Aufmerksamkeit auf das richtet, was sie beinhalten, ihren Inhalt. Aber wenn dieser sich verflüchtigt hat: Welche Spuren zeigen dann die Mauerfragmente der Gehäuse und Häuser, die Koffer und Schachteln, die Flaschen und Container?

Robert Krokowski, Melanchronia, Kofferinstallation 2011

Als Lateritour bezeichnet Robert Krokowski scherzhaft seine Installationen mit Ziegelfragmenten und Erosionsformen aus gebranntem rotem Ton. „Lateritour“ ist ein Kofferwort und zugleich ein Paragramm und ein Anagramm. Unschwer kann man das Wort „Literatur“ herauslesen, die sich hier als archäologische und auch detektivische Reise erweist.

Robert Krokowski, Kofferwort auf Reisen, 2009-2010

Robert Krokowski, Kofferwort auf Reisen, 2009-2010

Geraten die Buchstaben eines Wortes in Bewegung, werden sie aus festen Kombinationen herausgelöst, treten sie zu neuen Konfigurationen zusammen – dann zeigen sich überraschende Zusammenhänge. Und plötzlich fragt man sich nicht mehr, welche Bedeutungen in ein Wort gesteckt wurden – sondern welche Bedeutungen es entfaltet, wenn es als Koffer der möglichen Buchstabenkombinationen gesehen wird, die in ihm stecken.

Robert Krokowski, Redsonanzkoffer, Kofferinstallation 2009

Robert Krokowski, Redsonanzkoffer, Kofferinstallation 2009

Kofferwort, mot-valise, portmanteau word – die Kofferinstallationen von Robert Krokowski stehen in engem Zusammenhang mit Wortbildungen, deren wissenschaftliche Beschreibung offenbar schwerfällt: Handelt es sich um Verschmelzungen, Kontaminationen, Amalgamisierungen, Kontraktionen, Mischungen, Kreuzungen, Zusammenziehungen, Koppelungen oder Verkapselungen von Wörtern in einem neuen Wort? Was also wird von Kofferinstallationen verpackt? Oder was hat sich in ihnen angesammelt und wartet auf das Auspacken einer Lektüre? Sind Kofferinstallationen selbst verschachtelte Texte oder gar lesbare Rebusbilder, deren Bedeutung sich zeigt, wenn sie nur buchstäblich genommen werden?

Robert Krokowski. Lateritlage, 2011

Robert Krokowski. Lateritlage, 2011

In Kofferwörtern werden mit der Zeit die Wörter auf eine ganz buchstäbliche Art und Weise ausgebrütet. Es kann zum Beispiel geschehen, dass sich dabei die Fundstücke einer Lateritour in Literatur verwandeln. Jedes Kofferwort ist ein Inkubator, eine Brutstätte für rote Tonlagen. Was erzählt der Koffer über seinen Eigentümer oder Besitzer, das Reiseziel und den Reisegrund, die Gegenstände des täglichen Bedarfs und die besonderen Mitbringsel, was über den Boten und den Empfänger? Zumal in Kofferwörtern mit Doppelbödigkeiten immer zu rechnen ist.

Robert Krokowski, Flaschenpost, 2009

Ob im Redsonanzkoffer oder in der Melanchronia-Installation – die Kofferinstallationen geben einem roten Ton Resonanz, der sich durch viele der Arbeiten von Robert Krokowski zieht, etwa auch in der Perfomance Enlacements/Umarmungen und der Installation Rote Resonanzen. Weitere Publikationen zu den Kofferwörtern, Flaschenposten und Schachteltextouren in Kürze im Fraktalwerk.

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